Mit "Vom Zollberg zum
Ritten" zeigt das Stadtmuseum Esslingen, in Zusammenarbeit mit
dem Straßenbahnmuseum in Stuttgart - Zuffenhausen, zum 25. Jahrestag
der Betriebseinstel-lung der Straßenbahn Esslingen - Nellingen
- Denkendorf ( END ) eine Ausstellung, die der Geschichte dieser
Überlandstraßenbahn gewidmet ist. Sie verband von 1926 bis 1978
die Gemeinden der östlichen Fildern mit der Stadt Esslingen
und ermöglichte es dadurch zahlrei-chen Pendlern und Schülern,
aber auch Ausflüglern bequem von der Stadt im Tal auf die Fil-derebene
und wieder zurück zu gelangen.
Dies war ein Meilenstein
für die Verkehrsentwicklung in diesem Teil des Großraum Stuttgart.
Zwar war der westliche Filderteil bis Neuhausen a.d.F. bereits
seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Eisenbahn
an die Hauptstadt Stuttgart angeschlossen, die östlichen Gemeinden
verband hingegen bis 1920 "nur" eine Postkutsche mit der Stadt
Esslingen. Diese unbefriedigende Situation nahm bereits 1885
der Direktor der Maschinenfabrik Esslingen Emil von Keßler zum
Anlaß eine Eisenbahnverbindung zwischen der Stadt und den Fildergemeinden
zu fordern. Die daraufhin entwickelten Pläne scheiterten aber
allesamt an den Fi-nanzierungsmöglichkeiten und den schwierigen
Geländeverhältnissen.
Erst um das Jahr 1912
wurden die Pläne konkreter, doch durchkreuzten der Erste Weltkrieg
und die Inflation der Nachkriegszeit ihre Durchführung. Ab 1924
wurden dann die Bemühun-gen der Vorkriegszeit fortgesetzt, die
1925 in der Gründung der "Straßenbahn Esslingen - Nellingen
- Denkendorf GmbH" mündeten. Die Gesellschafter waren die Stadt
Esslingen, die Gemeinden Nellingen und Denkendorf und die Stuttgarter
Straßenbahnen ( SSB ), die mit der Durchführung des Baus und
des Betriebes der Strecke beauftragt wurden.
Nach der erfolgreichen
Genehmigung und des raschen Baues der Strecke von Esslingen
bis Denkendorf über den steilen Zollberganstieg, den die Bahn
als eine der steilsten Straßenbahnen ohne Zahnradantrieb bewältigte,
konnte sie bereits im Dezember 1926 in Betrieb genom-men werden.
Seither waren die charakteristisch türkisgrün - weißen Fahrzeuge
der END bis 1978 nicht mehr aus dem Erscheinungsbild der Stadt
Esslingen und der Fildergemeinden wegzudenken. Auch war die
Bahn sofort ein voller Erfolg, denn noch im ersten Betriebsjahr
konnte man mehr als 1,2 Mio. Benutzer zählen.
Schon nach wenigen Jahren
konnte eine Erweiterung der Strecke nach Neuhausen, die 1929
eröffnet wurde, in Betrieb genommen werden. Sie zweigte in Nellingen
von der Strecke nach Denkendorf ab und verlief durch das romantische
Körschtal nach Neuhausen a.d.F. Bis zum Zweiten Weltkrieg setzte
dann die Bahn, kurz unterbrochen durch die Weltwirtschaftskrise,
ihre Erfolgsfahrt fort und konnte stets anwachsende Beförderungszahlen
aufweisen. Diese machten schließlich immer wieder eine Erweiterung
des Fahrzeugparkes erforderlich. So richtig in Fahrt kam die
END aber erst nach1945, als der enorme Bevölkerungszuwachs im
mitt-leren Neckarraum und das Wirtschaftswunder zu einem Anwachsen
der Beförderungsleistungen führte. Daher führte die END bereits
1955 eine erste eigene Buslinie ein und investierte 1958 in
komplett neue Fahrzeuge für die Straßenbahn, die - ebenso wie
ihre Vorgänger - von der Maschinenfabrik Esslingen hergestellt
wurden.
Das Niedergang der Bahn
begann Ende der 1960er Jahre. Der Betrieb wurde zunehmend unrentabel,
der Fuhrpark und die Gleise waren überaltert und zu ihrer Instandhaltung
waren hohe Investitionen nötig geworden. Besonders die größeren
Gesellschafter waren nicht mehr bereit die hohen Verluste zu
tragen. Auch Gutachten, die von der Gesellschaft in Auftrag
gegeben worden waren, gaben der Straßenbahn keine Zukunft mehr
und befürworteten eine Umstellung auf Busverkehr. Trotz Versuchen
der Fildergemeinden die Straßenbahn zu retten, stellte die END
am 28. Februar 1978 endgültig ihren Betrieb ein. Seither wird
der Nahverkehr durch Busse gewährleistet.
Die Geschichte der END
ist hier noch nicht zu Ende. 1982 erwarb die Rittner - Bahn
in Oberbozen in Südtirol die 1958 angeschafften Fahrzeuge der
END und nahm sie nach einigen notwendigen Umbauten 1992 auf
dieser Strecke in Betrieb. Und noch heute tut ein Triebwa-gen
der END auf dem Ritten Dienst.
"Vom Zollberg zum Ritten"
beschreibt in einem Satz die Geschichte einer einzigartigen
Überlandstraßenbahn. An sie soll in dieser Ausstellung noch
einmal erinnert werden. Gezeigt wer-den zahlreiche Fotografien,
Dokumente, Modelle und Ausstellungsstücke zur und von der END,
die zu diesem Zweck - mit großer Teilnahme der Bevölkerung -
gesammelt wurden. Einige der Fahrzeuge älterer Bauart können
zudem im Straßenbahnmuseum in Zuffenhausen bewundert werden,
wo ein Triebwagen im letzten Fahrzustand und einer im möglichst
originalen Ursprungszustand erhalten sind. Zudem sind begleitend
zur Ausstellung einige Veranstaltungen geplant, wie z.B. eine
Wanderung entlang der alten END - Gleise von Nellingen nach
Neuhausen oder ein Transfer von Esslingen nach Zuffenhausen
im historischen Omnibus.
Ausstellungsplakat