Vom Zollberg zum Ritten

Straßenbahn (END)
Esslingen - Nellingen - Denkendorf 1926 bis 1978




Ausstellung vom 23. März 2003 bis 22. Juni 2003

Mit "Vom Zollberg zum Ritten" zeigt das Stadtmuseum Esslingen, in Zusammenarbeit mit dem Straßenbahnmuseum in Stuttgart - Zuffenhausen, zum 25. Jahrestag der Betriebseinstel-lung der Straßenbahn Esslingen - Nellingen - Denkendorf ( END ) eine Ausstellung, die der Geschichte dieser Überlandstraßenbahn gewidmet ist. Sie verband von 1926 bis 1978 die Gemeinden der östlichen Fildern mit der Stadt Esslingen und ermöglichte es dadurch zahlrei-chen Pendlern und Schülern, aber auch Ausflüglern bequem von der Stadt im Tal auf die Fil-derebene und wieder zurück zu gelangen.

Dies war ein Meilenstein für die Verkehrsentwicklung in diesem Teil des Großraum Stuttgart. Zwar war der westliche Filderteil bis Neuhausen a.d.F. bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Eisenbahn an die Hauptstadt Stuttgart angeschlossen, die östlichen Gemeinden verband hingegen bis 1920 "nur" eine Postkutsche mit der Stadt Esslingen. Diese unbefriedigende Situation nahm bereits 1885 der Direktor der Maschinenfabrik Esslingen Emil von Keßler zum Anlaß eine Eisenbahnverbindung zwischen der Stadt und den Fildergemeinden zu fordern. Die daraufhin entwickelten Pläne scheiterten aber allesamt an den Fi-nanzierungsmöglichkeiten und den schwierigen Geländeverhältnissen.

Erst um das Jahr 1912 wurden die Pläne konkreter, doch durchkreuzten der Erste Weltkrieg und die Inflation der Nachkriegszeit ihre Durchführung. Ab 1924 wurden dann die Bemühun-gen der Vorkriegszeit fortgesetzt, die 1925 in der Gründung der "Straßenbahn Esslingen - Nellingen - Denkendorf GmbH" mündeten. Die Gesellschafter waren die Stadt Esslingen, die Gemeinden Nellingen und Denkendorf und die Stuttgarter Straßenbahnen ( SSB ), die mit der Durchführung des Baus und des Betriebes der Strecke beauftragt wurden.

Nach der erfolgreichen Genehmigung und des raschen Baues der Strecke von Esslingen bis Denkendorf über den steilen Zollberganstieg, den die Bahn als eine der steilsten Straßenbahnen ohne Zahnradantrieb bewältigte, konnte sie bereits im Dezember 1926 in Betrieb genom-men werden. Seither waren die charakteristisch türkisgrün - weißen Fahrzeuge der END bis 1978 nicht mehr aus dem Erscheinungsbild der Stadt Esslingen und der Fildergemeinden wegzudenken. Auch war die Bahn sofort ein voller Erfolg, denn noch im ersten Betriebsjahr konnte man mehr als 1,2 Mio. Benutzer zählen.

Schon nach wenigen Jahren konnte eine Erweiterung der Strecke nach Neuhausen, die 1929 eröffnet wurde, in Betrieb genommen werden. Sie zweigte in Nellingen von der Strecke nach Denkendorf ab und verlief durch das romantische Körschtal nach Neuhausen a.d.F. Bis zum Zweiten Weltkrieg setzte dann die Bahn, kurz unterbrochen durch die Weltwirtschaftskrise, ihre Erfolgsfahrt fort und konnte stets anwachsende Beförderungszahlen aufweisen. Diese machten schließlich immer wieder eine Erweiterung des Fahrzeugparkes erforderlich. So richtig in Fahrt kam die END aber erst nach1945, als der enorme Bevölkerungszuwachs im mitt-leren Neckarraum und das Wirtschaftswunder zu einem Anwachsen der Beförderungsleistungen führte. Daher führte die END bereits 1955 eine erste eigene Buslinie ein und investierte 1958 in komplett neue Fahrzeuge für die Straßenbahn, die - ebenso wie ihre Vorgänger - von der Maschinenfabrik Esslingen hergestellt wurden.

Das Niedergang der Bahn begann Ende der 1960er Jahre. Der Betrieb wurde zunehmend unrentabel, der Fuhrpark und die Gleise waren überaltert und zu ihrer Instandhaltung waren hohe Investitionen nötig geworden. Besonders die größeren Gesellschafter waren nicht mehr bereit die hohen Verluste zu tragen. Auch Gutachten, die von der Gesellschaft in Auftrag gegeben worden waren, gaben der Straßenbahn keine Zukunft mehr und befürworteten eine Umstellung auf Busverkehr. Trotz Versuchen der Fildergemeinden die Straßenbahn zu retten, stellte die END am 28. Februar 1978 endgültig ihren Betrieb ein. Seither wird der Nahverkehr durch Busse gewährleistet.

Die Geschichte der END ist hier noch nicht zu Ende. 1982 erwarb die Rittner - Bahn in Oberbozen in Südtirol die 1958 angeschafften Fahrzeuge der END und nahm sie nach einigen notwendigen Umbauten 1992 auf dieser Strecke in Betrieb. Und noch heute tut ein Triebwa-gen der END auf dem Ritten Dienst.

"Vom Zollberg zum Ritten" beschreibt in einem Satz die Geschichte einer einzigartigen Überlandstraßenbahn. An sie soll in dieser Ausstellung noch einmal erinnert werden. Gezeigt wer-den zahlreiche Fotografien, Dokumente, Modelle und Ausstellungsstücke zur und von der END, die zu diesem Zweck - mit großer Teilnahme der Bevölkerung - gesammelt wurden. Einige der Fahrzeuge älterer Bauart können zudem im Straßenbahnmuseum in Zuffenhausen bewundert werden, wo ein Triebwagen im letzten Fahrzustand und einer im möglichst originalen Ursprungszustand erhalten sind. Zudem sind begleitend zur Ausstellung einige Veranstaltungen geplant, wie z.B. eine Wanderung entlang der alten END - Gleise von Nellingen nach Neuhausen oder ein Transfer von Esslingen nach Zuffenhausen im historischen Omnibus.

Ausstellungsplakat


Sonderausstellung:

Feuerstein
und Keltengold
Archäologische Schätze aus Esslingen und der Region

19.10 bis 19.02.2012

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