Werbung auf Zack. Reklamemarken von vor hundert Jahren

Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus vom
3. Juli bis 11. September 2011


***Verlängert bis 25.9***

Plakat Brandgeschichten

Eine vielfältige Welt aus kleinen bunten Bildern präsentiert das Stadtmuseum im Gelben Haus ab 3. Juli 2011: Reklamemarken! In dekorativen Zeichnungen werben Schneckenreiter, Jung Siegfried, Wurzelkinder und ernste Herrscher für die unterschiedlichsten Produkte. Zwerglein beim Kaffeekochen preisen die Qualität von „Aecht Franck Kaffeezusatz“ an, Prinz Leopold von Bayern fährt sein Automobil natürlich nur „auf Metzeler Pneumatik“, eine fürsorgliche Nonne empfiehlt Obermeyer’s Herbaseife gegen Hautausschlag und ganz direkt heißt es: „Raucht Schaefer-Zigarren!“ und „Schüle’s Nudeln sind die besten!“





Im späten 19. Jahrhundert tauchten die ersten Reklamemarken auf. Zunächst waren sie Werbung für (Welt-)Ausstellungen, bald aber für fast alle nur erdenklichen Konsumgüter. Sie machten Werbung für touristische Ziele und einzelne Firmen oder waren einfach nur schöne Bildchen. Vor allem Nahrungs- und Genussmittel wurden in der Blütezeit der Reklamemarken von 1900 bis 1914 massenhaft mit den bunten Bildern beworben.


Feuerwehr

Schätzungen zufolge gab es um 1914 rund 100 000 unter- schiedliche Motive. Die kleinen Reklamemarken wurden in enormen Auflagen bis zur Millionenhöhe auf perforierten Bogen gedruckt. Kostengünstiger als Plakate, konnten sie in großen Stückzahlen an die Frau, den Mann, vor allem aber an das Kind gebracht werden und erzielten weite Verbreitung. Sie verzierten und verschlossen Briefe, dekorierten Rechnungen und wurden beim Einkauf den Kindern als Geschenk gemacht.
Teils umfangreiche Motivserien wollten vollständig ergattert werden. So band die Sammelleidenschaft der Kinder die Eltern als Kunden.


Stadtbrand


Teilweise von renommierten Künstlern als qualitätvolle Grafik gestaltet, entwickelte sich die Reklamemarke bald zu einem beliebten Sammelobjekt. In Alben konnte man die kleinen, bunten Märkchen neben Sammelbildern, Spendenbelegen und politischer Propaganda einkleben. Die Briefmarkensammler jedoch blickten auf die so genannten „Erinnophilisten“ wegen ihres Sammelgebietes nur mitleidig herab.


Esslinger Feuerwehr

Auch in Esslingen verwendeten viele Firmen dieses zeitgemäße Marketing, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Und bei der Herstellung der Marken spielten neben dem bekannten Verlag
J. F. Schreiber auch andere ortsansässige Druckereien wie die von Wilhelm Langguth eine bedeutende Rolle.

Die Ausstellung zeigt ein breites Potpourri von Reklamemarken aus der Sammlung Dathe, ergänzt um einige Esslinger Exemplare aus dem Bestand des Stadtarchivs Esslingen. Von mehr als 40 000 Exemplaren wurden solche von Firmen aus Esslingen und dem heutigen Baden-Württemberg, mit Esslinger Motiven sowie aus der Welt der Kinder ausgewählt.
Besonders reizvoll ist es, dass teilweise die beworbenen Produkte aus der Zeit um 1910 als Originale den eklamemarken gegenübergestellt werden können. So entsteht ein Eindruck von der bunten Waren- und Reklamewelt aus den Anfangszeiten des Konsumzeitalters.
 


Blick in die Ausstellungsräume: (Fotos Nicola Buhl)

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