Objekt des Monats

Oktober 2021

Handsirene HSM 7
Metall, Holz, Kunststoff
Fa. Elektror  K.W. Müller, Esslingen
Mitte 20. Jahrhundert

(Städtische Museen Esslingen, STME 003760)

Olivgrüne Handsirene mit Kurbel auf Dreibeinstativ
Fotografie: Michael Saile

Mit unvorstellbarer Wucht traf vergangenen Sommer eine Katastrophe die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Dort führten Starkregenereignisse zu extremen Hochwassern, die eine hohe Zahl an Menschenleben forderten. Viele hätten sich in Sicherheit bringen können, wenn die Warnungen des Katastrophenschutzes sie rechtzeitig erreicht hätten. Das Potenzial digitaler vernetzter Warnsysteme kommt nicht zum Tragen, wenn das Funknetz ausfällt, weil die Flut die technische Infrastruktur zerstört hat. Auch in Esslingen existiert heute kein mechanisches, elektrisches oder pneumatisches Sirenennetz mehr. Im Katastrophenfall wird die Bevölkerung durch mobile Lautsprecher-Fahrzeuge der Feuerwehr, Polizei oder des Technischen Hilfswerks sowie durch Rundfunksender informiert. Bekannt ist das Fehlen der Warnsirenen spätestens seit dem bundesweiten Warntag 2020, an welchem ein Großteil der Bevölkerung das Aufheulen der Sirenen vergebens erwartet hatte. Dieser vom Bundesinnenministerium als „fehlgeschlagen“ titulierte deutschlandweite Probealarm zeigte bereits auf, dass eine bloße Warnung über digitale Wege und Lautsprecheransagen nicht genüge. Diskutiert wird nun eine Rückkehr zu Alarmsirenen, die seit dem Ende des Kalten Krieges nach und nach stillgelegt, abgebaut und verschrottet wurden. Die einst bewährten Frühwarnsysteme gerieten in Vergessenheit und waren nur noch für Sammler oder Museen von Interesse. Eine solche Rarität ist unser Objekt des Monats – eine Handsirene der Esslinger Firma Elektror K. W. Müller.
Im Gegensatz zu am Dach angebrachten Warnsirenen, war die auf einem Dreibeinstativ befestigte Sirenen vom Typ HSM 7 (die Abkürzung steht für Hand-Sirene-Mobil), für den mobilen Gebrauch bestimmt. Durch die Betätigung der Kurbel, wird die rote schaufelradähnliche Trommel aus Kunststoff im Inneren der Sirene in Bewegung gesetzt. Diese ist von einem unterbrochenen Gehäuse aus Metall, dem sogenannten Stator, umschlossen. Durch die Rotation der Trommel wird der entstehende Luftstrom immer wieder unterbrochen und erzeugt so einen Ton. Je nachdem wie schnell an der Kurbel gedreht wird, verändert der Ton seine Höhe und Lautstärke. Die HSM 7 von Elektror verfügt zudem am oberen Holzgriff über eine Mechanik, mit welcher die Klappen an der Frontseite der Sirene geschlossen und so die Lautstärken geregelt werden können. Durch diese Mechanik ist es möglich, Morsezeichen zu senden.
1923 gründet Karl W. Müller in Esslingen die Elektror-Motoren und Handelsgesellschaft. Schon früh spezialisierte sich die Firma auf Lufttechnik und die Herstellung elektrischer Einzelantriebe. Nach und nach wurde auch die Produktion von Sirenen aufgenommen. Während des Zweiten Weltkriegs bestand ein großer Bedarf an Luftschutz-Sirenen und Bunker-Belüftungen von Elektror. Sirenen vom Typ HSM 7 wurden verstärkt von der Wehrmacht genutzt. Neben diesem Modell existierten noch zwei weitere mobile Handsirenen der Firma, die sich lediglich in der Größe unterschieden, wobei die HSM 7 der mittlere Typus war. Die hohe Nachfrage an den Sirenen bestand nach dem Krieg weiter, sodass sie noch lange Jahre produziert wurde. Der Stammsitz der Firma, die mittlerweile unter dem Name „Elektror airsystems“ firmiert, befindet sich seit 2008 in Ostfildern. Heute zählt sie zu einem der international führenden Hersteller von Industrieventilatoren und Seitenkanalverdichter. Die Produktion von Sirenen wurde jedoch eingestellt.


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