Neue Kabinettausstellung im J. F. Schreiber-Museum

Projektionsfläche der Sehnsucht

Lampenschirme aus Karton präsentiert das Museum im Salemer Pfleghof - J. F. Schreiber-Museum in einer kleinen Kabinettausstellung vom 23. September bis 5. November 2017.

Die Petroleumlampen im 19. Jahrhundert benötigten Lampenschirme, damit man von dem sehr hellen Licht nicht geblendet wurde. Es gab Lampenschirme aus farbigem oder Milchglas, aber auch aus Stoff und Karton. Karton war am billigsten.
 
Die Bilderbogenhersteller fanden bald heraus, dass man die Lampenschirme, die wie Bergkegel aussahen, auch als solche ausstatten konnte. Bergmotive mit Hütten, Almhirten mit ihren Kühen und Bergwäldern entführten ins ferne Hochgebirge. Und auch in exotische Länder konnten einen phantasievoll gestaltetet Lampenschirme entführen.

Die Ausstellung „Lampenschirme aus Karton - Projektionsfläche der Sehnsucht nach fremden Ländern und einer heilen Welt“ zeigt Lampenschirme von verschiedenen Verlagen aus Deutschland und Frankreich. Zu sehen sind nicht nur fertig zusammengebaute Schirme, sondern auch die originalen Bogen zum Ausschneiden und Zusammensetzen.

Die Produzenten wussten bei der Motivauswahl die Wünsche ihrer Kunden geschickt zu nutzen. Die Bewohner der Städte lebten in einer durch die Industrialisierung geprägten Welt, die durch die zunehmende Zerstörung der Natur geprägt war. Bedingt durch den Verlust gesellschaftlicher Traditionen ging damit ein Gefühl der Entwurzelung einher. Dies ließ bei vielen Menschen die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ wachsen, und gerade das Leben auf dem Lande erschien damals als unverdorben und Inbegriff von Heimat. Besonders die Alpen galten als lebendiges Bild einer Einheit von Mensch und reiner Natur. Aber auch Städte und Landschaften in fernen Ländern wurden als Orte noch vorhandener Idyllen mit exotischem Reiz empfunden.

Lampenschirme waren um 1900 ein beliebtes Mittel, diese Sehnsucht zu stillen. Besonders beliebt waren Motive von für die Käufer unerreichbaren Gegenden, die im Vergleich zu seiner eigenen Lebenswelt exotisch waren. Dazu gehörten die Schweizer Berge, aber auch die Türkei oder Indien. Zur Adventszeit kamen Palästina und Darstellungen der Weihnachtskrippe hinzu.
 
Mit der Einführung des elektrischen Lichtes im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts war die Zeit der Kartonlampenschirme vorbei. Sie verschwanden aus den Läden und Wohnzimmern und wurden entsorgt. Daher sind nur wenige Modellbaubogen mit Lampenschirmen erhalten geblieben und heute kaum mehr erhältlich.

(Erstellt am 21. September 2017)

Info

Wechselausstellungen

1914-1918. Esslingen und der Erste Weltkrieg. Heimatfront und Zeitenwende

Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus vom 9. November 2018 bis 10. März 2019 
 

Ausstellungs-Info

Neuer Weg ins J. F. Schreiber-Museum ab 27. August

Ab 27. August verändert sich der Weg ins J. F. Schreiber-Museum im Salemer Pfleghof: Wegen der Baustelle an der Brücke Augustiner-/Geiselbachstraße wird dann die Unterführung am Salemer Pfleghof geschlossen. Die Unterführung beim Neuen Rathaus ist wieder zugänglich. Wir bitten Sie, der Beschilderung „Frauenkirche / Untere Beutau“ zu folgen. Der Eingang zum J. F. Schreiber-Museum im Salemer Pfleghof befindet sich gegenüber des Chors der Frauenkirche.

Bitte verwenden Sie für Anfragen per Email bis auf Weiteres nur die Adresse: museen@esslingen.de

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