Die Mistel und Weihnachten

4. Dezember 2005 bis 29. Januar 2006




Die Mistel fasziniert seit vielen Jahrhunderten den Menschen wegen ihrer besonderen Eigenschaften als Pflanze. Sie ist nicht nur Gegenstand der botanischen Wissenschaft, sondern sie begegnet uns in Mythologie, Aberglaube und christlicher Symbolik, in der Heilkunde, in Kunst, Kunsthandwerk, Dichtung und Musik.



Eine große Rolle spielt die Mistel (Viscum album L.) als Weih- nachtspflanze. Sie trägt zur Weihnachtszeit viele weißleuchtende Beeren und wirft ihre dunkelgrünen lederigen Blätter im Winter nicht ab. Dadurch wurde sie zum Symbol für immerwährendes Leben und zum Bestandteil vieler Festtraditionen.



Die Mistel als weihnachtlicher Grünschmuck des Hauses kennt man spätestens seit Beginn des 17.Jahrhunderts. Im viktorianischen England wurde dieser besonders üppig verwendet. Später schmückte die Mistel fast jede Art von Weihnachtszubehör wie beispielsweise Christbaumständer und Baumschmuck. Zahlreiche Illustrationen zeigen das Dekorieren, aber auch die Ernte und den Handel mit Misteln.



Der Kuss unter dem Mistelzweig ist heute ein weltweit bekannter Brauch. Früheste Zeugnisse gibt es seit Ende des 18. Jahrhunderts. Von England aus verbreitete sich diese Sitte bald in andere Länder Europas und Nordamerikas. Der Kuss wurde rasch zu einem beliebten Bildmotiv – künstlerisch bis kitschig, ernsthaft bis ironisch, aber natürlich auch erotisch in Szene gesetzt. Ursprünglich aus England kommt die Besonderheit des ‘Kissing Ball’, ein kugelförmiges Gebinde mit darunter hängenden Mistelzweigen.



Die Mistel ist ebenfalls ein Glückszweig und -symbol. An Weihnachten und Neujahr wünschte man sich Glück mit der Mistel, versandte sie auf zahlreichen Glückwunschkarten und schmückte Geschenke damit. Im alten französischen Neujahrsruf heißt es: „Au Gui l’An Neuf“ – „Mit der Mistel ins Neue Jahr!“.



Auch der weihnachtliche Kommerz bedient sich zunehmend der Mistel. Die Werbung setzt die Pflanze vielfach fast sinnbildlich für Weihnachten ein. Seit Ende des letzten Jahrhunderts wird die Mistel als Dekor in allen Formen der weihnachtlichen Tischkultur verwendet: auf Porzellan und Glas, Tischdecken, Servietten und vielem mehr.



Die Ausstellung spürt der vielfältigen Bedeutung dieser faszinierenden Pflanze nach – mit einer bemerkenswerten Bandbreite von Objekten zwischen Kunst und Kitsch, Nostalgie und neuestem Trend. Nach einem botanischen und kulturgeschichtlichen Überblick stellt sie die zeitliche und geographische Entwicklung der Mistel als Weihnachtspflanze vor. Das Konzept zur Ausstellung sowie fachliche Bearbeitung und Leihgaben gehen auf das Ehepaar G.+G. Schorer zurück. Weitere Leihgaben aus Privatbesitz und aus Museen und Bibliotheken ergänzen diesen ersten Überblick zur Geschichte einer ganz besonderen Weihnachtspflanze.


Sonderausstellung:

Feuerstein
und Keltengold
Archäologische Schätze aus Esslingen und der Region

19.10 bis 19.02.2012

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