In der Zeit um 1800, als Goethe und Schiller ihre Erfolge feierten, herrschte in Adel und Bürgertum eine große Begeisterung für das Theater. Zur Erinnerung an gelungene Aufführungen konnte man Bilderbogen mit Figuren und Dekorationen erwerben. Bald kamen Bühnen zum Spielen ganzer Stücke auf den Markt. Zur Verbreitung der kleinen Theater trug bei, dass durch die 1797 entwickelte Lithografie Bilder- und Ausschneidebogen preiswerter als zuvor hergestellt werden konnten.
Bei der Erziehung der Kinder zu kleinen Bildungsbürgern spielten die "Haustheater" eine wichtige Rolle. Aufführungen vor Onkeln und Tanten waren Höhepunkte des bürgerlichen Familienlebens. Das Repertoire bestand aus beliebten Theaterstücken und Märchen, oft in stark gekürzten Fassungen. Zahlreiche Verlage lieferten Texthefte sowie Bögen mit Bühnen, Dekorationen und Figuren.
Diese große Bedeutung behielten die Miniatur-Theater bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heute pflegt nur noch eine kleine Schar von Sammlern und Spielern die Tradition des Papiertheaters.